Das dritte Moor/ The Third Moor

Ein wildes, böses und zugleich klagendes Geschrei presst das gehörnte Tier aus seiner Kehle, während der feine Sand mit stiller Gelassenheit Besitz von ihm ergreift. Ganz langsam wird es von unten her aufgesogen, sosehr es auch die Beine gegen die nachgebende Masse stemmt. Das zottelige Fell wirft es wild hin und her, und seinen Kopf streckt es dem Himmel entgegen, als könne es von dort oben doch noch Hilfe erwarten. Der Sand rieselt in sich zusammen, mächtig in seiner Nachgiebigkeit, die keinen Halt mehr duldet.
Das Tier ist Foka bereits vertraut, auch der Schrei, der ihn regelmäßig aus dem Schlaf hochpeitscht. Aber damals wusste er noch nicht, dass es
dieses Tier war, noch konnte er ahnen, dass er und das Tier eins waren.
Wie auch?
Und warum?

I) Aller Anfang

Wie ein kleiner Buddha saß Niko im Bauch seiner Mutter. Mit Glatzkopf, gekreuzten Beinen und verschränkten Armen vor seiner Brust. In den vergangenen Monaten war er zu einem imposanten Wesen herangewachsen, und langsam wurde es Zeit, diese Höhle zu verlassen. Aber Niko weigerte sich, seinen Körper in die Position zu manövrieren, die ihm und in der Folge auch seiner Mutter die Geburt einfach oder wenigstens einfacher gemacht hätte. Nichts konnte ihn dazu bringen, seinen mächtigen Kopf in Richtung Muttermund zu bewegen, seinen Körper um hundertachtzig Grad nach unten zu drehen. Manchmal sah er ein schwaches Licht durch die Buchdecke der Mutter scheinen, dort, wo seine krummen Beine sich gegen die Bachwand stemmten. Es macht ihn neugierig, das schon, aber es brachte ihn nicht dazu, sich umzudrehen.
Die Vorstellung, ein Kind mit den Beinen voraus auf die Welt bringen zu müssen, machte Nikos Mutter Angst. Sie wusste, dass es nicht mehr allzu lange dauern konnte, bis es soweit war, bis die Fruchtblase platzen und unwiderruflich den Geburtsvorgang einleiten würde.
Die Hebamme tastete den gewaltigen Bauch mit den Fingerspitzen ab, drückte hier und dort kräftig gegen Nikos Höhle und schüttelte den Kopf.
– Nichts, noch immer nicht, sagte sie entmutigt. Es scheint ein ziemlich großer Brocken zu sein. Wenn er sich in den nächsten Wochen nicht dazu entschließt, dann …
Nikos Mutter erhob sich von der Couch.
– Ich habe alles probiert, sagte sie. Sogar mit einer Kerze den Weg nach unten geleuchtet und gehofft, dass Licht könnte es dazu bewegen, sich in die richtige Lage zu bringen.
– In vielen Fällen tut es das auch, sagte die Hebamme. In vielen Fällen. Manchmal entschließen sich die Kinder aber erst in allerletzter Sekunde dazu. Du musst es also weiter versuchen.
Nikos Mutter nickte, und doch hatte sie bereits die Gewissheit, dass es nichts nützen würde, dass ihr Kind sich durch nichts und niemanden dazu bringen lassen werde. Sie stellte einen Topf Wasser auf den Herd.
– Ich mache uns einen Kaffee, sagte sie.
Die Hebamme legte ihr eine Hand auf die Schulter.
– Du darfst nicht verzweifeln. Das wird schon. Wirst sehen.
Elisa schüttelte ungläubig ihren Kopf, während sie das Wasser im Topf beobachtete, das sich langsam zu kräuseln begann.
– Was, wenn nicht?, fragte sie.
Die Hebamme nahm die Hand von Elisas Schulter.
– Vielleicht solltest du doch in die Klinik gehen.
– Nein, niemals, antwortete Elisa schroff. Da bringt mich keiner hinein. Lieber …
– Schon gut, schon gut. Dann wird es auch so gehen. Es geht immer. Das wäre schließlich nicht das erste Mal, dass ein Kind mit den Beinen zuerst herausschlüpft. Die Kinder wissen schon, was sie tun. Im Übrigen wundert es mich gar nicht, wenn sich jemand weigert, in dieser Zeit auf die Welt zu kommen. Da wartet nichts Gutes, bestimmt nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis …
– Bis was?
– Na ja, was schon? Es wird Krieg geben. Alle Zeichen deuten darauf hin.
– Bist du sicher?
Die Hebamme nickte. Elisa goss das heiße Wasser in zwei Tassen und rührte Kaffee hinein.
– Du hast Recht, es kommt nichts Gutes.
Sie fasste sich an den Bauch.
– Glaubst du, das Kind spürt das?
– Die wissen mehr, als wir denken. Das sind empfindsame Wesen.
Die beiden Frauen schlürften nachdenklich ihren Kaffee.
– Mach dir keine Sorgen, sagte die Hebamme. Wenn es soweit ist, bin ich sofort bei dir. Das kriegen wir schon hin, schließlich bist du nicht die Erste. Ich muss jetzt los.
Elisa begleitete die Hebamme vor die Tür.
– Es ist ziemlich kühl geworden, sagte sie.
Die Hebamme nickte.
– Das wird ein harter Winter heuer. Die Insekten sind so lästig, die spüren schon, dass es langsam dem Ende zugeht. Grüß Thome von mir, und arbeite nicht mehr zu hart, hörst du! Du musst dich ein bisschen schonen. Ein bisschen wenigstens.
Elisa nickte.
– Nur etwas Gartenarbeit, sagte sie. Bevor der Frost kommt.
Die Hebamme seufzte und stieg auf ihr Rad. Elisa blickte ihr nach. Mit jedem Meter, den sie sich entfernte, kehrte die Angst stärker zurück.
– Dreh dich um, bitte dreh dich um, flüsterte sie in sich hinein. Noch ist Zeit, ich bitte dich.
Sie holte im Schuppen ein paar Holzkisten und ging in den Garten. Sie füllte den Boden der Kisten mit Erde, legte Karotten hinein, schüttete wieder Erde hinauf, dann die nächste Lage Karotten, solange, bis die Kisten fast voll waren. Die Erde war feucht und klamm, und Elisa konnte sich gar nicht mehr vorstellen, dass die Sonne noch vor kurzem so heiß vom Himmel gebrannt hatte, dass man es nur im Schatten ausgehalten hatte. Sie musste auf allen Vieren arbeiten, weil sie sich mit ihrem gewaltigen Bauch nicht mehr bücken konnte. Wenn Thome von der Arbeit nach Hause kam, würde sie ihn bitten, die Kisten in den Keller zu tragen. Es war ein gutes Jahr gewesen. Mit vielen Sonnentagen, aber auch genügend Regen. Obst gab es reichlich. Die Äpfel und Birnen waren bereits zu Marmelade verkocht, Kirschen und Zwetschken hatte Thome eingemeischt, um daraus Schnaps zu brennen. Niko machte ihr die Gartenarbeit nicht leicht. Bei jeder unachtsamen Bewegung trat er kräftig gegen ihre Bauchdecke, als wollte er sein Recht auf Ruhe einfordern.
– Statt zu treten, solltest du dich lieber umdrehen, sagte Elisa vorwurfsvoll.
Der heftige Wind der vergangenen Tage hatte die Wiese rund um das kleine Haus mit einer dicken Schicht Laub bedeckt.

Thome arbeitete in einem kleinen Sägewerk, und die Arbeit ging nie aus. Manchmal musste er sogar sonntags ausrücken. Mit den ersten Monatsgehältern hatte er sich ein Fahrrad gekauft, damit er die Strecke nicht immer zu Fuß bewältigen musste. Seit einem Arbeitsunfall, bei dem er sich das linke Bein mehrfach gebrochen hatte, hinkte er, und es begann zu schmerzen, wenn er länger marschieren musste.

Der Vorarbeiter im Sägewerk, ein kleiner, bulliger Kerl namens Leschke mit einem roten Vollmondgesicht – Thome nannte ihn nur das Vieh – , hatte ihn dazu gezwungen, einen schweren Baumstamm mit dem Zappin aus einem Stapel zu zerren. Dabei hatte sich ein anderer Stamm gelöst und war auf Thomes Bein gekracht. Thome hatte gespürt, wie seine Knochen brachen. Er hörte noch den Vorarbeiter schreien – Du Idiot, du verdammter Idiot – , dann wurde er ohnmächtig.
Um seine Stelle zu behalten, musste Thome so schnell es ging, wieder mit der Arbeit beginnen. Seinen Knochen hatte deshalb die nötige Ruhe gefehlt, um richtig zusammen zu wachsen. Besonders wenn das Wetter umschlug, wurden die Schmerzen im Bein unerträglich, und dann staute sich in ihm eine wilde Wut auf den Vorarbeiter, der die Schuld an diesen Schmerzen trug.
Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Leschke sich bei ihm entschuldigt, eine kleine Geste des Bedauerns gezeigt hätte, aber dazu war er nicht in der Lage gewesen. Am ersten Tag, als Thome seine Arbeit im Sägewerk wieder aufnahm, begrüße das Vieh ihn mit den Worten
Du hast den verdammten Zappin ruiniert. Seit damals hatte Thome auf eine Gelegenheit gewartet, es ihm heimzuzahlen.
Im November 1936, fast genau ein Jahr nach seinem Unfall, war es soweit. Zu Thomes Befriedigung war es ein Tag des Schmerzes. Der seit Tagen andauernde Föhn wütete in seinem Bein, und Thome betete den Wintereinbruch herbei,
den der Wind ankündigte und der ihm endlich Linderung verschaffen würde. Und dann, während er am Sägegatter stand, mit diesen Schmerzen, die ihn Gott und die Welt verfluchen ließen, geschah es. Der dicke Arbeitspullover des Vorarbeiters verfing sich in einem der Kettenglieder des Förderbandes, das die Stämme langsam zu den großen Sägeblättern beförderte, die die Blöcke in einzelne Bretter schnitten. Thome beobachtete, wie Leschke verzweifelt versuchte, den Pullover aus dem Band zu lösen, was ihm aber nicht gelang. Dann erst bemerkte Leschke, dass Thome ihn beobachtete.
– Hilf mir, schrie er ihn an. Hilf mir, verdammt noch mal!
Das Vieh stemmte sich mit aller Kraft gegen den Zug, der ihn immer näher an die Sägeblätter zerrte. Seine Hilferufe wurden vom schrillen Lärm des auf und ab fahrenden Metalls, das sich durch das Holz fraß, geschluckt.
Thome blickte sich um. Sie waren allein. Thome wandte sich ab und entfernte sich. Ein paar Meter weiter begann er, einen Bretterstapel aufzuschlichten. Erst als die Sägeblätter schon fast Leschkes Kopf berührten, stürzte Thome hinzu und versuchte, mit einem Zappin das Förderband zu blockieren. Es sollte immerhin so aussehen, als ob er alles unternommen hätte. Thome begann, wie verrückt zu schreien, gemeinsam mit dem Vorarbeiter, der Thome mit Augen ansah, als würden sie jeden Moment aus ihren Augenhöhlen herausspringen. Dann schrie nur noch Thome allein. Das Blut traf Thomes Körper, hinterließ warme, dampfende Flecken auf seiner Arbeitskleidung. Im Reflex schlossen sich Thomes Augen, bevor die Blutspritzer gegen sein Gesicht klatschten. Jetzt erst verkeilte sich der Zappin und brachte das Band zum Stehen. Thome lauschte ein paar Sekunden in die plötzlich eingetretene Stille, dann betätigte er eine große, schwere Glocke, die neben der Tür des Maschinenraums hing. Es dauerte nicht lange, bis die Arbeiter aus allen Winkeln angelaufen kamen, um den zerschnittenen Körper ihres Vorarbeiters vorzufinden, und Thome, der blutverschmiert am Boden neben der Tür zum Maschinenraum hockte. Er umklammerte sein linkes Bein. Es schmerzte noch immer, es wartete noch immer auf den Schnee, aber Thome störte es nicht mehr, und wäre er allein gewesen, hätte er gelacht.

Dieses Ereignis hatte Thome noch schweigsamer gemacht, als er es ohnehin schon war. Über den genauen Hergang des Unfalls wollte er mit niemanden sprechen. Wenn ihn seine Kollegen darauf ansprachen, senkte er nur den Kopf und verdeckte sein Gesicht mit seinen großen Handflächen. Dafür geschah etwas anderes. Jedes Mal, wenn Thome zu viel trank, schossen ihm Tränen in die Augen, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Dieses Phänomen konnte ihn völlig unerwartet treffen, plötzlich, während er gerade über den Witz eines Arbeitskollegen lachte oder während seine Hand noch einen Trumpf im gemeinsamen Kartenspiel ausspielte. Er merkte es zuerst nicht, so völlig unvorbereitet traten sie aus seinen Augen.
Thome wusste nicht, woher die Tränen kamen, denn er verspürte keine Schuld, nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Spätestens wenn er mit seinem geschundenen Bein aufs Klo des Gasthauses humpelte, um das Bier zu entsorgen, wurde ihm bewusst, wie gerecht seinen Tat gewesen war und dass Leschke nichts Besseres verdient hatte. Aber der Tränenfluss wollte und wollte nicht aufhören. Er stand vor dem verschmierten Spiegel, der oberhalb des Toilettenwaschbeckens hing und beobachtete, wie sich die Tränen aus seinen Augenwinkeln drängten. Das gibt es doch nicht, dachte er. Das kann doch nicht sein.
Es wurde erst besser, wenn Thome das Gasthaus verließ und später seinen Kopf an Elisas Schulter lehnte.
– Das wird schon wieder, Thome, das wird schon wieder. Es muss ein entsetzlicher Anblick gewesen sein. Aber warum auch immer das passiert ist, es gab einen Grund. Alles hat einen Grund, nichts geschieht nur so aus heiterem Himmel. Wer weiß, welche Schuld er auf sich geladen hatte, dass er ein so grausames Ende finden musste. Wir können in niemanden hineinsehen, es gibt nur einen, der das kann, und dem müssen wir vertrauen.
Elisa fand immer die richtigen Worte. Und als sich Thomes Leben, das er in Elisa gepflanzt hatte, zu rühren begann, versiegten auch die Tränen.

Als er nach Hause kam, war Elisa noch im Garten. Thome stellte sein Fahrrad in den Schuppen.
– Du sollst nicht so hart arbeiten, schrie er ihr zu. Elisa richtete sich langsam auf. Ihre Knie waren fast taub.
– Das Gemüse muss in den Keller, bevor der Frost kommt, sagte sie.
Thome schüttelte den Kopf.
– Das hat noch Zeit, so schnell geht das auch wieder nicht. Du solltest dich mehr schonen.
Sie griff sich auf den Bauch.
– Das muss er schon aushalten.
Thome sah sie einen Moment erstaunt an.
– Er?
– Die Hebamme war da. Sie sagt, es sei ziemlich groß. Das ist für Mädchen eher ungewöhnlich. Außerdem …
– Außerdem was?, fragte Thome.
Elisa fixierte kurz ihre mit Erde verkrusteten Hände. Was sollte sie ihm sagen? Sie war sich sicher, dass nur ein Junge so eigensinnig sein konnte. Zu stur, um sich im Mutterbauch in die richtige Geburtslage zu bringen. Eine Steißgeburt war keine leichte Sache, weder für die Frau noch für das Kind. Elisa wollte Thome nichts davon erzählen, ihn nicht beunruhigen. Nicht bei ihrem ersten Kind.
– Kannst du die Kisten in den Keller tragen?, fragte sie.
Thome nickte. Und während er sich mit den Kisten abschleppte, fühlte er eine unbändige Kraft in sich hochsteigen. Ich werde einen Sohn haben, ich werde einen Sohn haben, ich werde einen Sohn haben, surrte es durch den Kopf.

Nikos Geburt war ein Martyrium. Als Elisa spürte, dass es bald so weit sein musste, holte sie die Hebamme und bat sie, bei ihr zu bleiben, auch wenn es noch Tage dauern würde.
– Bitte, Ilse, du musst bleiben, bitte.
– Natürlich bleibe ich. Du brauchst keine Angst zu haben. Alles wird gut. Es ist abnehmender Mond, ein guter Zeitpunkt für eine Geburt, ein gutes Zeichen.
Zwei Stunden nach Mitternacht beschloss Niko, seine Höhle für immer zu verlassen. Er stemmte die Beine nach unten und riss Elisa mit einem gewaltigen Schmerz aus dem Schlaf. Die Hebamme sprang von ihrem Nachtlager auf.
– Es ist soweit, schrie Elisa. Mein Gott, es ist soweit.
Der Kampf dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Die Hebamme war erleichterte, als sich endlich Nikos Beine aus Elisas Öffnung streckten. Sie umfasste sie mit einem Griff und zog an ihnen, vorsichtig und doch kräftig, im Rhythmus der Wehen. Die Hebamme wusste, dass sie so schnell wie möglich den Kindskopf aus Elisas Körper ziehen musste. Aber es ging nicht. Eine Wehe nach der anderen verstrich, ohne dass sich der Körper auch nur einen Millimeter weiter nach draußen bewegte.
– Press!, schrie die Hebamme Elisa an, während ihr der Schweiß vom Gesicht tropfte. Press endlich, du Schlampe, fester, press!
Sie schlug Elisa mit der Hand ins Gesicht, aber es nützte alles nichts, das Kind steckte fest. Die Hebamme griff zur Schere und durchtrennte die Dammwand, um die Öffnung zu vergrößern, dann zerrte sie das Kind mit einem wilden Ruck ans Tageslicht. Sein Kopf war blau angelaufen, und es atmete nicht. Die Hebamme klopfte auf den Rücken des Kindes und spritzte ihm eiskaltes Wasser ins Gesicht.
– Es ist tot, es ist tot, es ist tot, schrie Elisa wie von Sinnen. Es ist tot!

Thome war zu Beginn der Geburt vor das Haus gegangen, er konnte die Schreie seiner Frau nicht ertragen. Die Nacht war sternenklar, ein eisiger Wind blies. Thome ging zum Schuppen, suchte sich eine geschützte Stelle und rauchte. Das Schilfmeer hinter ihm schaukelte wild, das mächtige Rauschen übertönte fast die Schreie, die aus dem Haus drangen. Noch nie hatte er einen Menschen solche Laute von sich geben gehört. So sehr er sich auch bemühte, er konnte sie nicht mit seiner Frau in Verbindung bringen. Wie war es möglich, dass dieses zarte Geschöpf solche Schreie aus sich herauspresste? Er wollte sich noch weiter entfernen, um endgültig außer Hörweite zu sein, hatte dann aber Angst, dass man ihn vielleicht noch brauchte. Dann musste er da sein und seiner Frau beistehen, egal, wie entsetzlich es auch wäre.
– Es ist dein Kind, wiederholte er ständig. Es ist auch dein Kind.
Die Nacht schien endlos zu sein und Thome fröstelte. Trotzdem verharrte er auf seinem Platz und rauchte.
Es ist tot, es ist tot, es ist tot.
Als Thome diese Worte hörte, fühlte er, wie der Boden unter ihm nachgab. Er kniete hin und ließ sich langsam ins nasse Gras sinken. Die Zigarette verbrannte zwischen seinen Fingern, ohne dass er den Schmerz bemerkte. Er spürte nur, wie die Feuchtigkeit durch seine Kleidung sickerte. Vor sich sah er die Sägeblätter und die vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen des Vorarbeiters. Er konnte fühlen, wie das Blut des Mannes gegen seinen Körper prasselte.
– Es tut mir leid, es tut mir leid, brabbelte Thome ins nasse Gras.
Dann hörte er das Kind schreien.

 

 

The horned animal squeezes wild, evil and at the same time wailing screams out of his throat as tenuous sand grabs a hold of him with silent ease. Dead slow it gets absorbed from the bottom up however much it stems its legs against the caving mass. It throws its shaggy hide back and forth and stretches its head towards the sky as though it could still count on help from up there. The sand collapses, powerful in its departure which allows no foot-hold anymore.

The animal is already familiar to Foka. The same goes for the scream which scourges him out of his sleep with regularity. He didn’t know then that it was this animal. Nor could he anticipate that he and the animal were one.
How could he?
And why?

I) All Beginnings

Niko sat like a little buddha in the belly of his mother. Bald-headed, cross-legged and his arms folded on his chest. He had grown into an impressive being these passed months and it became time to leave this cave. But he refused to manuver his body into a position that would have made the birth easy or at least easier for him and subsequently for his mother too. Nothing could convey him to move his mighty head towards the cervix, to turn his body a 180 degrees downwards.

Sometimes he saw a feeble light shining through the abdominal wall of his mother, there, where his bow legs pushed against it. The light made him curious, sure, but it didn’t convince him to turn his body.

The notion of bringing a child into this world legs first scared Niko’s mother. She knew that it couldn’t be much longer to the point when the water would break and initiate the birth process irrevocably.

The midwife felt the enormous belly with her fingercups, pressed here and there strongly against Niko’s cave and shaked her head.
– Nothing, still nothing, she said discouraged. It seems to be a pretty big chunk. If it doesn’t choose to in the next few days, then …

Niko’s Mother stood up from the couch.

– I’ve tried everything, she said. I even lit the way down with a candle. Somehow I hoped the light could bring it to move itself into the right position.
– In many cases it does, the midwife said. In many cases. But sometimes the kids choose to in the very last second. So you still have to try.

Nico’s mother noded, but she already had this certainty, that it wouldn’t do any good, that her child would let nothing and nobody pursuade it.
She put a pot filled with water on the stove.

– I’ll make us some coffee, she said.
The midwife put a hand on her shoulder.
– You can’t dispair. It’ll be okay. You’ll see.

Elisa shaked her head in disbelief, as she watched the water in the pot, that slowly began to ripple.
– What, if not? she asked.
The midwife took her hand off of Elisa’s shoulder.

– Maybe you should go to the clinic after all.
– No, never, Elisa responded harshly. Nobody gets me in there. I rather…

– Alright, alright. It will work here too. It always works. After all it wouldn’t be the first time a child comes out legs first. The children know what they’re doing. Besides I‚m not surprised, if someone refuses to come into this world in a time like this. Nothing good awaits him. Not at all. It won’t be long until…
– Until what?
– Well. There will be war. All signs point to it.
– Are you sure?
The midwife noded. Elisa poured the hot water into two cups and stirred coffee in it.

– You’re right, nothing good is coming.
She touched her belly with both hands.

– Do you think, the child can sense that?
– They know more, than we think. They’re sensitive beings.

The two women sipped their coffee while reflecting.
– Don’t worry, the midwife said. If the time comes,
I‚ll be here in an instant. We’ll manage, after all you’re not the first. I have to go now.

Elisa accompanied the midwife outside.
– It’s grown pretty cold, she said.

The midwife noded.
– This is going to be a harsh winter. The insects are very annoying. They can already sense that it slowly comes to an end. My best to Thome, and don’t work too hard, alright! You have to take it a little easier. At least a little.
– Just some gardening, she said. Before the frost comes.
The midwife sighed and climbed on her bike. Elisa looked after her. With every meter she got further away, the fear came back stronger.
– Turn around, please turn around, she whispered to herself. There’s still time, i’m begging you.

She got a few little wooden boxes out of the shed and walked over to the garden. She filled the bottom of the boxes with compost, put carrotes in, then again poured compost over them, then the next layer of carrotes, until the boxes were almost full. The soil was moist and damp, and Elisa couldn’t even picture anymore, that not long ago the sun was burning so hot from the sky, one could only endure it in the shadow. She had to work on all fours, because she couldn’t bend down anymore due to her enormous belly.

When Thome would come home from work, she would ask him to carry the boxes down to the cellar. It had been a good year. With many sunny days, but also enough rain.There had been plenty of fruit. The apples and pears were already cooked into marmelade. Cherries and Plums Thome had prepared, to destill Schnaps out of them.
Niko didn’t make the work in the garden easy for her. Upon every careless move, he sturdily kicked against the abdominal wall, as though he would claim a right for peace.
-Instead of kicking you should rather turn around, Elisa said reproachfully.
The intense wind of the passed days had covered the meadow around the little house with a layer of leaves.

Thome worked at a sawmill and the work never stopped. Sometimes he even had to march out on sunday. With the first monthly paychecks he had bought himself a bike, so he didn’t always have to take the route on foot. Ever since a work accident, in which he had broken his left leg multiple times, he had a limp, and it started to hurt when he had to walk longer.
The foreman of the sawmill, a small brawny guy named Leschke with a red fullmoon-face – Thome called him only
the brute -, had forced him to drag a tree trunk from a pile with a picaroon. Another trunk got loose and crashed down on Thome’s leg. He could hear the foreman scream – You idiot, you damned idiot –, then he fainted.

To keep his job, Thome had to come back to work as soon as possible. Therefore his bones didn’t get the necessary rest to grow back together properly. Especially when the weather turned, the pain in his leg became unbearable.
A wild rage towards the foreman dammed in him. He bore the blame for his pain. Maybe everything would’ve been different, if only Leschke had apologized to him, a small token of regret, but he hadn’t been able to. The first day Thome resumed work at the sawmill, the brute welcomed him with the words
You ruined the damned picaroon. Since then Thome had waited for an opportunity to pay him back.

In November 1936, almost exactly a year after the accident, the time had come. To Thomes satisfaction, it was a day of pain. The ongoing windy weather was reaking havoc in his leg and Thome prayed for the onset of winter, the wind had announced, which would finally provide relief for him.
And then, right when he was standing at the saw gate with this pain, it happened. The big jumper of the foreman got caught in one of the chain links of the conveyer band, that transported the trunks to the saw blades, which did cut the blocks into single planks.Thome watched, as Leschke was trying franticly to pull his sweater out of the band, which he wasn’t able to. Then Leschke noticed, that Thome was watching him.
– Help me, he screamed at him. Help me, dammit!

The brute stemmed against the pull, that dragged him closer and closer to the saw blades. His screams for help were swallowed by the piercing noise of the up and down driving metal, that ate it’s way through the wood.

Thome looked around. They were alone. Thome turned away and went off. A few meters on he began to pile up a stack of planks. Not before the saw blades nearly reached Leschke’s head, Thome rushed to him and tried to block the conveyer band with a picaroon. It should at least look like he had tried everything.
Thome began to scream like crazy, in unison with the foreman, who looked at him with eyes, that could jump out of their eyesockets at any moment.
Then only Thome screamed.

The blood hit Thome’s body, left warm, steaming stains on his work clothes. Thome’s eyes closed reflexively before the blood spatter hit his face. Only now the picaroon got wedged and brought the band to a halt. Thome listened a few seconds to the sudden silence, then he operated the big, heavy bell which hung by the side of the door of the machine room.

It wasn’t long before the workers came running from all corners to find the cut up body of their foreman and Thome, who, smeared in blood, cowered on the floor next to the door to the machine room. He clasped his left leg.
It hurt still, it waited for the snow still, but it didn’t bother Thome anymore, and would he have been alone, he would have laughed.

This incident had made Thome even more silent than he had been already. About the precise course of events of the accident he didn’t want to talk to anybody. When his colleagues wanted to approach him about it, he only lowered his head and buried his face in his big palms.
Something else happened instead.
Every time when Thome drank to much, tears flooded his eyes, without him being able to do anything about it. This phenomena could strike him completely off-guard, sudden, while he would just laugh at a joke from a workmate or while his hand would lead a trump in a cardgame.

He didn’t realise it at first, so completely out of the blue they ran from his eyes. Thome didn’t know where the tears came from, he didn’t feel any guilt, not in the slightest. Quite the opposite. At the latest when he hobbled to the can of the bar with his mangled leg, to dispose of the beer, he realised how just his action had been and that Leschke hadn’t deserved any better. But the flood of tears just wouldn’t stop.
He stood in front of the smeared mirror, which hung above the toilet sink and watched how the tears rushed out of the corners of his eyes.
This can’t be, he thought. This can’t be.

It only got better when he left the bar and later rested his head on Elisa’s shoulder.
– Everything will be alright, Thome, everything will be alright. It must have been a terrible sight. But whyever this happened, there was a reason. Everything has a reason, nothing happens just out of nowhere. Who knows what guilt he had brought upon himself, that he had to find such a gruesome end. We can’t look inside anybody, there is only one, who can do that, and we have to trust him.

Elisa always found the right words. And when Thome’s life, which he had planted in Elisa, began to move, the tears dried up.

When he came home, Elisa was still in the garden. Thome put the bike in the shed.
– You shouldn’t work so hard, he shouted at Elisa.
Elisa slowly stood up. Her knees were almost numb.
– The vegetables have to be in the cellar before the frost comes, she said.
Thome shaked his head.
– There’s still time for that, it isn’t that fast approaching. You should rest more.

She touched her belly.
– He has to be able to withstand that.
Thome looked at her startled for a moment.
– He?
– The midwife was here. She says, it’s pretty big. That is rather uncommon for a girl. Besides …
– Besides what? Thome asked.

Elisa briefly fixated on her with dirt crusted hands. What should she tell him? She felt certain, that only a boy could be this hardheaded. To stubborn to move himself in the right position. A breech birth was no easy thing, not for the woman nor for  the child. Elisa didn’t want to tell Thome anything about it, didn’t want to worry him. Not with their first child.
– Can you carry the boxes into the cellar? she asked.

Thome noded. And while he struggled with the boxes, he felt an unbridled force rising within him. I’m going to have a son, I’m going to have a son, I’m going to have a son, it buzzed through his mind.

Niko’s birth was an ordeal. When Elisa sensed that it wouldn’t be that much longer, she fetched the midwife and asked her to stay with her, even if it would take days.

– Please, Ilse, you have to stay, please.
– Of course I’m staying. You don’t need to be afraid. Everything will be alright. The moon is decreasing, a good time for a birth, a good sign.

Two hours after midnight Niko decided to leave his cave forever. He stemmed his legs downwards and yanked Elisa with a massive pain from her sleep. The midwife jumped up from her night camp.

– It’s coming, Elisa screamed. My God, it’s coming.
The battle lasted till wee hours. The midwife was relieved when Niko’s legs finally reached out of Elisa’s vagina. She held them in a clutch and pulled on them, carefully yet with force, in the rhythm of the contractions. The midwife knew that she had to get the head of the child out of Elisa’s body as fast as possible. But it didn’t work. One contraction after the other went by, without the small body moving even one millimeter further along.

– Push! The midwife screamed at Elisa, while sweat was dripping from her face. Push already, you bitch, harder, push.

She hit Elisa with her hand in the face but nothing worked, the child was stuck. The midwife took the scissors and cut through the perineal to extend the vagina, then she yanked the child fiercely into daylight. Its head was blue and it didn’t breath. The midwife throbbed the back of the child and sprayed ice cold water on its face.
– It’s dead, it’s dead, it’s dead, Elisa screamed out of her mind. It’s dead!

At the beginning of the birth Thome had gone outside of the house, he couldn’t take the screams of his wife. The night was starlit, an icy wind blew. Thome walked to the shed, found a safe spot and smoked.
The sea of reeds behind him swung wildly, the mighty swoosh almost drowned the screams, that were coming from the house. Never before had he heard such noises from a human being. As much as he tried to, he couldn’t associate them with his wife.
How was it possible that this tender being squeezed such screames out of herself.
He wanted to go even further away, to be definitively out of ear-shot, but then he was afraid, he may be needed still. Than he would have to be here and stand by his wife, however horrible it would be.
– It’s your child, he repeated constantly. It’s your child too.
The night seemed to be endless and Thome shivered. Nonetheless he remained on his spot and smoked.
It’s dead, it’s dead, it’s dead.
When Thome heard these words, he felt how the ground below him retreated. He kneeled down and slowly sank into the wet grass. The cigarette burned down between his fingers without him noticing the pain. He only felt how the dampness seeped through his clothes. He saw the saw blades in front of him and the eyes of the foreman wide open with horror. He could feel the man’s blood crackling against his body.
– I’m sorry, I’m sorry, Thome gabbled into the wet grass.
Then he heard the child scream.


 

 

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